Lehre

Sommersemester 2017 (Bergische Universität Wuppertal)

Übung: Technikgeschichte auf dem Prüfstand: Eine historisch-kritische Reflexion ihrer Methoden- und Theorieangebote

Wir leben in einer Zeit, in der Technik längst nicht mehr als eine abgrenzbare Größe, sondern nur noch als ein integrierter Bestandteil unserer Kultur erfahrbar wird. Dieser kulturellen Prägung trägt die moderne Kulturgeschichte der Technik Rechnung. Doch unterlag das reflexive Wissen über die technischen Veränderungen im Laufe der Zeit ebenso einem Wandel wie die Technikentwicklungen selbst. Noch zu Anfang des 20. Jahrhundert erzählten Ingenieurshistoriker bevorzugt Geschichten von Erfindern, Neuerungen und Innovationsprozessen, in denen die gesellschaftlichen Zusammenhänge allenfalls als Hintergrundfolie für die funktionellen Abläufe technischer Anwendungen beschrieben wurden. Dieses änderte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt unter dem Einfluss benachbarter Disziplinen – etwa der Soziologie, Ethnologie oder auch der Kulturwissenschaften –, durch die die technikgeschichtliche Forschung deutlich theorie- und methodenbewusster geworden ist.

Die Lektüreübung spannt den Bogen von den ingenieurswissenschaftlichen Anfängen der Technikgeschichtsschreibung über ihre Etablierung als eigenständige Disziplin des historischen Fächerkanons bis hin zur kulturgeschichtlichen Technikforschung, wie sie TechnikhistorikerInnen heute praktizieren. Den Forschungstendenzen des Faches nähern wir uns über die gemeinsame Lektüre klassischer Grundlagentexte. Damit gibt die Übung nicht nur Anlass, die disziplinären Forschungstendenzen in ihren historischen Dimensionen auszuleuchten, sondern die Theorie- und Methodenangebote, die uns auf dem Pfad der Technikgeschichtsschreibung begegnen werden, gleichermaßen kritisch zu reflektieren.

 

Wintersemester 2016/17 (Bergische Universität Wuppertal)

Übung: Stoffgeschichte – Eine Einführung in die Wissenschafts- und Technikgeschichte

Seit jeher sind Dinge, Artefakte und Stoffe Thema der Wissenschafts- und Technikgeschichte. Doch haben sich die Perspektiven auf das ,Materielle‘ immer wieder verändert. Lange war es vor allem ein kulturgeschichtliches Interesse, bei dem Substanzen oder Objekte auf ihre gesellschaftliche Konstruktion hin befragt wurden. Kulturelle Deutungen und qualitative Ansätze erfuhren deutlich mehr Aufmerksamkeit als Fragestellungen, die an den materiellen Hinterlassenschaften selbst ansetzten. Im 21. Jahrhundert erlangt die Auseinandersetzung mit den ‚hard facts‘ – im Sinne einer physischen Relevanz von Stoffen – in der Wissenschafts- und Technikgeschichte eine neue Konjunktur, etwa bei der Erforschung von Naturkatastrophen und Infrastrukturen. Inzwischen liegen eine ganze Reihe von Ansätzen vor, die auf die Bedeutung des Materiellen aber auch auf deren Wechselwirkung mit sozialen Praktiken abheben. Daneben bestehen etablierte Perspektiven auf Stoffe als Wirtschaftsgut oder nicht-menschliche „Akteure“ historischer Entwicklung fort bzw. verändern sich.

Diese Impulse und Dynamiken möchte die Lehrveranstaltung aufgreifen und zusammenführen. In der Übung werden wir uns dem Thema „Stoffgeschichte“ über die gemeinsame Lektüre einschlägiger Grundlagentexte aus Wissenschafts- und Technikgeschichte nähern. Es soll nicht nur darum gehen, die aktuellen Ansätze dieser Felder an konkreten eigenständig recherchierten Fallbeispielen zu erörtern, sondern auch darum, die Anwendbarkeit der Theorieangebote anderer Disziplinen für wissenschafts- und technikgeschichtliche Fragestellungen auszuloten. Darunter solche zur materiellen Kultur, wie sie vor allem in der Ethnologie entwickelt wurden, Theorien aus dem Umfeld der Actor-Network-Theorie oder Konzepte sozialer Praktiken.

 

Sommersemester 2016 (Bergische Universität Wuppertal)

Übung: Energiegeschichte vor Ort (1800-2015)

In der Historiografie zur regionalen Wirtschafts- und Technikgeschichte im Industriezeitalter erscheint ein Energieträger allgegenwertig: Die „Schwarze Kohle“, die den industriellen Strukturwandel im Mündungsgebiet der Ruhr einleitete und dem Ruhrgebiet zum Ausgang des 19. Jahrhunderts sein charakteristisches Gepräge verlieh.

Abseits der Kohlengruben und Verkehrsknotenpunkte zeigten sich die Formen der Energienutzung hingegen weitaus facettenreicher. Die Talsperrenlandschaft im Bergischen Land und Sauerland diente nicht nur dem Hochwasserschutz oder der Wasserversorgung eines raumgreifenden Konglomerats aus Schwerindustrie, Bergbau und Industriestädten im „dürstenden Kohlenpott“, sie setzte auch enorme hydroelektrische Potentiale frei. In den 1920er Jahren steuerte die Wasserkraft über 5 % zur Stromerzeugung der Region bei (heute rund 1,4 %). Vor den Toren der Industriestadt Essen wurde die letzte Windmühle erst um 1900 aufgegeben und am Eschbach bei Wuppertal drehten sich noch weit ins 20. Jahrhundert hinein dutzende Wasserräder, die kleinen Hammerwerken, Schleif- oder Mahlmühlen einen mechanischen Kraftantrieb ermöglichten.

Die Übung spürt der Energiegeschichte der Region im 19. und 20. Jahrhundert nach und rückt insbesondere die Vielschichtigkeit der Formen der Energieproduktion und -nutzung in den Blick, die das Ruhrgebiet, Sauerland oder Bergische Land hinter den Kulissen des dominierenden fossilen Energiesystems prägten. In der Woche der Pfingstferien findet eine eintägige Exkursion zu einem ausgewählten „Erinnerungsort“ der regionalen Energiegeschichte statt.

 

Wintersemester 2014/15 (TU Darmstadt)

Übung: Konflikte um die Energienutzung in Geschichte und Gegenwart (mit Nicole Hesse)

Von der vorindustriellen Zeit bis in die Gegenwart avancierte ein Thema quer durch verschiedene sozialhierarchische Ebenen immer wieder zum Konfliktstoff par excellence: die Nutzung, Gewinnung und Versorgung von Gesellschaften mit Energieressourcen. Mit dem Fokus auf regenerative Energien wird die Übung der longue durée dieses Konfliktfeldes nachgehen und dabei die „turning points“ bzw. die richtungsweisenden Kontroversen in der Energiegeschichte in den Blick rücken: von der „Holznotnotdebatte“ des vorfossilen Zeitalters über den „Stromkrieg“ an der Schwelle zum 20. Jahrhundert bis hin zu den im Zuge der gegenwärtigen „Energiewende“ aufkommenden Auseinandersetzungen. Die Übung findet somit in einer für die Gegenwart hochaktuellen Debatte ihren Ausgangspunkt, sucht dabei in der Geschichte nach den Kontinuitäten und Diskontinuitäten unserer gegenwärtigen Konfliktlagen. Aus dem facettenreichen Ensemble der konfliktbeladenen Energiegeschichte werden im Rahmen der Übung u.a. folgende Aspekte thematisiert: Energiegewinnung im Spannungsfeld zwischen dezentralen und zentralen Konzepten (Energielandschaften vs. Mikroenergiesystemen), Primat der Energieträger (z.B. fossile vs. Erneuerbare Energien), Konflikte um die Energieübertragung (Hochspannungstrassen) sowie um (utopische) Energiegroßprojekte.

 

Sommersemester 2014 (TU Darmstadt)

Übung: „Rückkehr der Mühlen?“ – Geschichte und Zukunft der Kleinwasserkraft (mit Beatrix Becker)

Deutschland war im 18. und 19. Jahrhundert ein „Land der Mühlen“: Wasserkraft wurde an den meisten Fließgewässern genutzt, an denen etwas Fallhöhe gewonnen werden konnte. Die große Mehrheit der Kleinwassermühlen fiel im 20. Jahrhundert den Trends zur Strukturrationalisierung und Zentralisierung zum Opfer und tritt heute im besten Fall als Denkmal einer verschwundenen Industriekultur in Erscheinung.
Im neuen Jahrtausend ist unter Aspekten des Klimaschutzes und der Versorgungssicherheit der Ausbau der regenerativen Energien wieder ein vorrangiges politisches Ziel. Unter ökonomischen Vorsätzen werden heute systematische Untersuchungen unternommen, um die Möglichkeiten der Reaktivierung historischer Mühlenstandorte auszuloten. Neue technologische Anlage- und Regulierungskonzepte lassen dabei nicht nur die Turbinentechnik ins Zentrum der Überlegungen rücken; auch das Mühlrad könnte kurz vor seinem Comeback stehen. Aufgrund der hohen kulturellen, sozialen aber vor allem ökologischen Anforderungen (EG-Wasserrahmenrichtlinien, Tourismus, Denkmalschutz, ökologische Vereinbarkeiten) an diese Standorte und deren Umfeld, verharren solche Ansätze bislang noch auf der Ebene von theoretischen Diskussionen und Modellversuchen.
Eine Analyse der vergangenen Konfliktkonstellationen am Fließgewässer könnte wichtige Lösungswege im Spannungsfeld heutiger Interessenkonflikte um die Kleinwasserkraftnutzung aufzeigen.
Im Mittelpunkt steht dabei stets die interdisziplinäre Fragestellung, inwiefern eine Analyse zurückliegender Konfliktkonstellationen am Fließgewässer alternative Handlungsoptionen für die Reaktivierung von Wassermühlen oder für die Bewältigung damit einhergehender divergierender Interessen in heutiger Zeit bereithalten

 

Wintersemester 2013/14 (TU Darmstadt)

Seminar: Historisches Geoinformationssystem (GIS) (mit Simon Bihr)

Der Raum hat sich in der Geschichtswissenschaft ausgebreitet. In Folge des „Spatial Turn“ wird Raum in der historischen Forschung eine zunehmend größere Bedeutung beigemessen. Die Übung führt in raumbezogene Konzepte als Erklärungsmodelle und Analysekategorien in der Geschichtswissenschaft ein. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Frage: Wo steckt in der Geschichte der Raum bzw. wie lässt sich der Raum operationalisieren? Ebenso gilt es, die Problemhorizonte solch raumbezogener Zugänge zu berücksichtigen und gemeinsam zu diskutieren. Im Anschluss an eine theoretische Einführung, soll das raumbezogene Arbeiten im Umgang mit dem historisch-geografischen Informationssystem (GIS) praktisch erprobt werden. Exemplarisch werden einzelne Schritte wie Datensuche, digitale Speicherung, Analyse und Präsentation georeferenzierter historischer Inhalte anhand verschiedener Beispiele erarbeitet, besprochen und vertieft.

 

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